Teil eines Werkes 
1. Theil (1848)
Entstehung
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und der Schritte zu des Jenſeits dunkler Pforte nur wenige noch waren. Er ſtierte ſo trub und dumpf vor ſich hin, als ſei er ſich der Welt und ſeiner ſelbſt nicht mehr bewußt; ſeine duͤnnen blutloſen Lippen bewegten ſich bisweilen im krampfhaften Zucken, aber kein Laut, keine Sylbe entſchluͤpfte ihnen. Und ſo ſaß der Un⸗ gluͤckliche täglich Stunden lang, ein elender, todesreifer Koͤrper, deſſen Seele, verdammt zu ewiger Prometheus⸗ qual, an einem finſtern Punkte ſeiner Vergangenheit gefeſſelt hing, an einem Punkte, von dem ſie ſchaudernd und zermalmt ſich loszureißen ſtrebte und es doch nim⸗ mer vermochte, von Entſetzen verſteinert, wie durch das Haupt der Meduſa.

Der Nachtwind trug die Glockenſchlaͤge, welche die elfte Stunde verkundeten, von Meutingen heruͤber. Es war der erſte Laut, der ſeit zehn Minuten das druͤckende Schweigen in dem Zimmer unterbrach. Jetzt ſeufzte Lydia tief und legte, ohne aufzublicken, ihre Arbeit bei Seite.

Ach, werden Sie nun aufhoͤren zu ſchmollen, theure Lydia! begann jetzt Herr von Moͤllnitz, indem er gleichfalls die Scheere fortwarf und mit einem et⸗ zwungenen Laͤcheln ſich zu ſeiner Braut hinuͤberbeugte. Haben ſie ſich endlich uberzeugt, daß nichts meine lie⸗ bende Geduld, meine zaͤrtliche Reſignation zu erſchuttern vermag, nicht einmal Ihre Laune, die uns gleichwol um eine koͤſtliche Stunde brachte?