Teil eines Werkes 
1. Theil (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſeit den zwei Jahren, wo wir ihn dem Leſer zuerſt vor⸗ fuͤhrten, nicht verändert; ſeine Toilette war ſtutzerhaft und militairiſch elegant, wie damals, ſeine Phyſiognomie blaſirt und gelangweilt, wie damals, obgleich ſeitdem das Schickſal ihn zu ſeinem Guͤnſtling gemacht und durch die Erfuͤllung gewiſſer Wuͤnſche und Pläne ihm die gluͤcklichſte und beneidenswertheſte Zukunft eroͤffnet hatte. Aber was gilt ſolche Gunſt dem kalten Egoiſten, dem Ueberſaͤttigten, dem der Schein Alles, ein wahres, inner⸗ liches Sein Nichts iſt? Zeigt ihm ein herrliches Kleinod in der Ferne und er wird ſich aufraffen aus ſeiner Apa⸗ thie und energiſch ſtreben, es zu erringen; laßt es ihn endlich gewonnen haben, und er wird es nach kurzer Friſt nicht mehr beachten und ſich langweilen wie zuvor, wenn nicht ein neues Ziel ihn auffodert, daſſelbe Spiel wieder zu beginnen. Das iſt der Fluch der Gemuͤthlo⸗ ſen, die fort und fort auf der Erde herumkriechen, die ſo kalt ſind wie ihr Herz, und denen die Fluͤgel fehlen, ſich zum Himmel kuͤhn, kindlich und glaubensvoll em⸗ porzuſchwingen. 3

Im Hintergrunde des Zimmers ſaß in einem wei⸗ ten Lehnſeſſel der Graf von Waldſees und blickte, die Arme uͤber der Bruſt veiſchraͤnkt, auf die ſilbernen Schnallen ſeiner Schuhe nieder. Sein kahles, matt herabhaͤngendes Haupt, ſein runzelvolles, gelbbleiches Ge⸗ ſicht, am Meiſten aber die ſchweren, keuchenden Athem⸗ zuͤge, unter denen der ausgemergelte Leib ſich hob und ſenkte, bekundeten deutlich genug, daß ſeine Tage gezählt