Vierzehntes Kapitel.
Königin. Es waren Briefe Und dann ein Medaillon von dem Infanten. Don Carlos.
An demſelben Abende waren auf Schloß Rußberg in dem Boudoir der Graͤfin von Waldſees drei Perſonen verſammelt, denen ein zufaͤllig Eintretender auf den er⸗ ſten Blick jene bedruͤckte, unbehagliche Stimmung ange⸗ ſehen haben wuͤrde, die ſich eben ſo wenig durch Aeußer⸗ lichkeiten verbergen, noch irgendwie verſcheuchen laͤßt. An einem Mahagonitiſchchen in der linken Fenſterniſche ſaß Lydia und ſah ſo unverwandt auf eine unter ihren kunſtreichen Haͤnden entſtehende Stickerei nieder, als widme ſie derſelben die groͤßte Emſigkeit und ungewoͤhn⸗ liches Intereſſe. Und doch reihte die Nadel ſo langſam Faden an Faden, doch zitterten ihre kleinen, weißen Fin⸗ ger und unter den langen, dunkeln Wimpern blickte ihr Auge ſo truͤb und zerſtreut auf die farbenprangenden Blumen und Blätter ihrer Arbeit nieder, daß man auf einen tiefen, des Maͤdchens Herz belaſtenden Kummer ſchließen mußte.— Ihr gegenuͤber ſaß Herr von Moll⸗ nitz und grub mit einer Scheere lange Riße in die hell⸗ polirte Tiſchplatte. Sein bleiches Geſicht ſah muͤrriſch und verdroßen aus und nur wenn er bisweilen aufblickte und ſeine Nachbarin verſtohlen firirte, loderte ein duͤſterer Glanz in ſeinen matten Augen empor. Er hatte ſich


