ſuchen.— Der aber hatte, als er nur die Gefahr und deren furchtbare Groͤße erkannte, eine bewunderungs⸗ wuͤrdige Faſſung und Energie gewonnen. Einen ſchmerz⸗ lichen Blick warf er auf das halbohnmächtige Maͤdchen und geleitete ſie zu dem Seſſel zuruͤck, auf welchem ſie kraftlos wie eine geknickte Lilie zuſammenbrach; dann trat er an's Fenſter und ſchaute lange und forſchend hinaus. Aber keine Seele nahte; einſam lagen die ſum⸗ pfigen Wieſen und die oͤde Straße vor ihm. Im Hof⸗ raume krochen finſtere Geſtalten um den Wagen und riſſen mit ſchweigender Geſchaͤftigkeit Kiſten und Foffer herunter, ſie aufſprengend und den Inhalt raubgierig auseinander ſtreuend. Die Stoͤße an die Thuͤr wurden immer wilder und heftiger. Der Graf gewahrte bald, daß man mit einem Pfahle dagegen rannte, und mit Entſetzen ſah er, wie der Riegel ſich allmälig zuſammen⸗ bog und die Angeln bei jedem Anpralle mehr und mehr aus der Mauer ſich loͤſten. Da verſtummte plotzlich das Getoſe— die Raͤuber waren ermuͤdet und hatten ihren ſchrecklichen Plan aufgegeben! So dachte der Graf und wie ein Blitzſtrahl durchzuckte ihn das freudige
Gefuͤhl der Erloͤſung. Er eilte an's Fenſter; auch der
Hofraum war leer, und verlaſſen ſtand der ausgepluͤn⸗ derte Reiſewagen.„Lydia, mein Kind!“ fluͤſterte er dem todtenbleichen Maͤdchen zu—„Gott wird uns ſchuͤtzen, um Deinetwillen, Du reiner Engel!“— Ein ſchwaches Lächeln erhellte Lydias Zuge und ſie verſuchte, ſich auf⸗ zurichten. Aber mit einem gellenden Schrei ſank ſie


