ſehen, aber er bemerkte es nicht. Ploͤtzlich ſchauderte er zuſammen und ſprang auf, die Augen mit den Händen bedeckend, als ſei ihm eine entſetzliche Erſcheinung ſichtbar geworden.
„Vater, theurer Vater, Sie ſind krank!“ fluͤſterte Lydia klagend.„Irgend ein Kummer belaſtet Ihr Herz,
und Sie verſchließen es vor Ihrer Tochte die Sie
nicht einmal troͤſten darf!“
Der Graf ſah ſie ſtarr an. Er hatte ihre Worte nicht verſtanden, ja er ſchien ſie gar nicht zu erkennen. Sein Geſicht war aſchfarben, ſeine Zähne klappten fieber⸗ haft zuſammen und nur muͤhſam hielt er ſich aufrecht. Lydia fuͤhlte ſich von einem unwillkuͤhrlichen Schauer ergriffen und vermochte, wie gebannt, kein Auge von
dem Vater abzuwenden. Da riß ein leiſes, anhaltendes
Geraͤuſch, welches aus dem Vorſaale zu kommen ſchien, Beide zugleich aus ihrer ſtarrkrampfartigen Betaubung. Der Graf ſchuͤttelte ſich, als erwache er aus einem boͤ⸗ ſen Traume, und ſchlich ſich, ſchweigend eine Piſtole vom Kamine nehmend, nach der Thuͤr. Lydia blieb be⸗ bend, leichenblaß und mit vorgebeugtem Haupte in ihrem Seſſel. Ganz vernehmlich nahten leiſe, kniſternde Schritte uͤber die Treppe den Vorſaal entlang nach der Thuͤr; jetzt taſtete eine Hand nach der Klinke und druͤckte ſie behutſam nieder. Der Graf ſchob den Riegel noch weiter vor und harrte mit pochendem Herzen der Dinge, die da kommen ſollten. Draußen erhob ſich alsbald ein kaum horbares Gefluſter; darauf zog Jemand ſo gewal⸗


