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Mann, welcher aus dieſer hervorgeht, geſtärkt von ihren Lehren, bereichert durch ihre Erfahrungen, beſteht am beſten die Pruͤfungen des Lebens.“
„Ja Vater,“ erwiederte Otto,„aus dem Kerker, wo ich dieſen Morgen troſtlos den Tod erwartete, ſtieg ich zur Freiheit empor, und in dem Augenblicke, wo ich den Entſchluß faßte, nach Italien zu ziehen, halten mich die Arme eines liebenden Vaters im theuern Va⸗ terlande zuruͤck.“
„Nach Italien wollteſt du, Otto?“ fragte Win⸗ deck;„die Kriege, die der Kaiſer dort fuͤhrt, gehen uns nichts an. Opferte er das Blut, was dort ſeinem Ehrgeiz fließt, gegen die unglaͤubigen Tuͤrken, es waͤre fuͤr das Reich und die ganze Chriſtenheit beſſer.“
„Was ſollte ich hier machen, Vater?“ erwiederte Otto.„In einem Lande, wo ich fremd, freund⸗ und namenlos ſtand, haͤtte mich nichts zuruͤckhalten koͤnnen, als die Liebe zu Hedwig, der Tochter des Grafen von Falkenſtein, und den Beſitz der Geliebten wollte ich in Italien erringen.“
„Gott ſegne deine Wahl!“ ſagte Windeck.„Auch hier trifft mein Wunſch, den ich noch vor Kurzem mit ſo wenig Ahnung ſeiner baldigen Erfullung that, mit deiner Neigung zuſammen. Doch dies erinnert mich⸗ daß ich meinen alten Freund mit meinem Gluͤck be⸗ kannt machen muß, und auch Hedwig—
„Erfaͤhrt am beſten ihr Gluͤck von mir!“ unter⸗ brach ihn ſein Sohn lebhaft, und fuͤhrte zugleich ſeinen Vater ſo ungeduldig und ſchnell aus dem Zimmer, als


