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hatte meiner Bertha ihr und des Kindes Schickſal, das ſie unter dem Herzen trage, weißagen wollen, aber aus Muth⸗ willen,— es war ein Unrecht, das wir ſchwer haben buͤßen muͤſſen— aus Muthwillen ließ ſie die Heidenfrau hin⸗ auspeitſchen. Mit den ſchrecklichſten Verwuͤnſchungen und Drohungen verließ das mißhandelte Weib das Schloß, und erfuͤllte ihre Rache nur zu ſchrecklich; denn meine nach allen Richtungen ausgeſandten Spaͤher ka⸗ men mit leeren Haͤnden zuruͤck. Ein und zwanzig Jahre lang haben wir uͤber den Tag getrauert, der dich aus unſern Armen riß, und eine ſo lange Zeit ohne Hoff⸗ nung zugebracht, dich jemals wiederzuſehen. Doch Gott hat uns nicht verlaſſen, und dich uns wiederge⸗ ſchenkt.“
„Und wo iſt meine Mutter?“ fragte der junge Otto ſeinen Vatet.„Bei dem erſten Anblick dieſes Bildes ſtiegen dunkle Erinnerungen in mir auf.“
„So ſah meine Bertha aus,“ ſagte Windeck,„ſo
freundlich laͤchelten ihre Zuͤge, als ich ihr gluͤcklicher
Gatte ward. Jetzt hat der Kummer und das Alter dieſe Farbe verloſcht, und dieſe heitere Stirne gefurcht, aber bald ſoll ſie die Freude uͤber ihren wiedergefundenen Sohn verklaͤren. In welche gluͤckliche Haͤnde,“ fuhr er fort, ſeinen Sohn mit Wohlgefallen betrachtend, „in welche gluckliche Haͤnde hat dich der Zufall ge⸗ bracht! Ganz meiner und deiner Ahnen wuͤrdig kehrſt du in die Arme deines Vaters zuruͤck. Mein Sohn, du haſt eine Schule durchgemacht, die den edeln Men⸗ ſchen am beſten bildet, die Schule des Ungluͤcks. Der


