Druckschrift 
Die Aufrührer : Eine Erzählung aus den Zeiten des Bauernkriegs / von Fr. Rother
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 30—

alte Hofer und ſeine Frau ſaßen. Haͤtten dieſe Pfleger ſeiner Kindheit ſeines Schutzes bedurft, Franz ware nie auf den Gedanken gekommen, ſein Vaterland zu verlaſſen; denn ſeine Eltern waren ihm uͤberaus theuer. Sie verlebten aber ihre alten Tage ruhig und zufrieden. Als ihnen Franz ſeinen Entſchluß mittheilte, ohne ihnen jedoch die Urſache ſeiner Entfernung von Falken⸗ ſtein anzugeben, faltete der alte Mann die Haͤnde. „Heilige Jungfrau! ſagte er,„warum willſt du uns verlaſſen? Sieh Franz, mein Alter geht dem Grabe entgegen, und deine Hand ſoll meine Augen zudruͤcken.“

„Ihr ſeyd noch ruͤſtig, Vater,“ erwiederte Franz. „Gott wird euch noch einige Jahre ſchenken, und dann hoffe ich euch fröhlicher wiederzuſehn, als ich jetzt von euch ſcheide. Aber fort muß ich; es wird mir hier zu enge.

„Ach, mein Sohn,“ ſagte der alte Hofer,„ich habe hier fuͤnf und ſechszig Jahre gelebt, und bin nie hin⸗ ausgekommen uͤber die Berge, die das Thal umſchlie⸗ ßen. Mir iſt nie zu enge geworden, denn ich habe ge⸗ arbeitet einen Tag wie den andern, bis meine Haare grau geworden ſind. Lege deine Ruͤſtung ab, und bleibe bei deinen Eltern in ihrem Alter.“

„Ich kann nicht, Vater,“ erwiederte Franz,„gebt mir euren Segen und entlaßt mich.“

Jetzt fragte die Mutter, deren geſchwaͤchtes Gehör von dem Bisherigen nichts verſtanden, um den Gegen⸗ ſtand des Geſpraͤchs; denn ihres Mannes Stimme brachte allein noch verſtaͤndliche Laute in ihr Ohr.