kam der Geißliche des Dorfes, hei dem Schall der Sturm⸗
glocke das Vorfallende ahnend, zu dieſer tumultuariſchen
Scene. Er hatte bisher das Elend ſeiner Gemeinde
ſo viel als möglich zu erleichtern geſucht, und was ſelten
bei den Geiſtlichen der damaligen Zeiten zu ſinden war, deren Herz mehr, als es ſollte, am Weltlichen hing, ſogar die Entrichtung des Sehnten erlaſſen. Er war daher im Dorfe ſehr geliebt, und wagte ſich im Ver⸗ trauen auf die Dankbarkeit ſeiner Pfarrkinder in das wilde Getuͤmmel. Die letzten Worte, die er bei ſeiner Ankunft hörte, uͤberzengten ihn, daß das Gift der Em⸗ porung bereits ſeine Gemeinde angeſteckt. Er draͤngte ſich nichts deſto weniger in den Kreis, und wollte eben mit erhobenen Haͤnden ſeine verfuͤhrte Heerde auf den rechten Pfad zuruͤckweiſen, als ihn der Redner auf dem Tiſche bemerkte, und, von fanatiſchem Zorn entbrannt, auf ihn losfuhr:„Was will dieſer Diener des Anti- chriſts hier, deſſen Reich gefallen iſt auf Erden? Greift ihn und fuͤhrt ihn hieher, damit er ſeine Graͤuel ab⸗ ſchwore, und das Licht empfange, das der Herr hat auf⸗ gehen laſſen!“
Mehrere fielen uͤber ihn her, und ſchleppten ihn vor das Tribunal des Fanatikert. Vergebens ſtreckte der arme Mann ſeine flehenden Haͤnde gegen ſeine Ge⸗ meinde aus. Die Meiſten ſahen kalt und gefuͤhllos dem Auftritte zu. Nur wenige zeigten Mitleiden, und un⸗ ter dieſen fluͤſterte Hans, der junge Bauer, den der
Leſer bereits kennt, ſeinem Nebenmanne zu:„Nachbar, ſollen wir dem guten Paſtor nicht helfen? Wenn wir 8


