Druckschrift 
In Mitten der Nordsee : Erzählung für die Jugend / von Marie Roskowska
Entstehung
Einzelbild herunterladen

die Balken und Dielen noch bis zum Sinken der Sturmfluth aushielten. Wie träge kroch den angſtvoll Harrenden jede einzelne Minute hin! Wie langſam wich die See zurück! Es ſchien den völlig Abgeſpannten eine zu ſein, ehe

dieſe Nacht vorüber ging.

Rikmer hielt Detlev und gleichzeitig ſeine Frau feſt, welche das Kind auf den Armen trug; ſie klagten nicht, ſon⸗ dern ertrugen geduldig, was ſich nicht ändern ließ, zuftieden, ihren Knaben wieder zu haben, und darein ergeben, mit ein⸗ ander zu ſterben, wenn Gott es ſo beſchloſſen hatte. Die ältere, wie die jüngere Frau Henneke waren gleichfalls ruhig und gefaßt, doch Meike und noch mehr Maatie jammerten und ſeufzten oft, wiewohl dieſe in den Armen des Vaters verhältnißmäßig gut aufgehoben war. Heine hielt die Groß⸗ mutter umfaßt und obgleich ſeine Kräfte faſt ganz erſchöpft waren, kam doch kein Laut der Klage oder der Ungeduld über ſeine Lippen. 4

Du biſt ein tüchtiger Junge! ſagte der Vater erfreut. Denkſt daran, daß es in den Sprüchwörtern heißt:Der iſt nicht ſo ſtark, der in der Noth nicht feſt iſt. Auch dür⸗ fen wir uns nicht beklagen, es ging im Ganzen gut genug ab. Ja, wenn wir Einen nach dem Andern von uns in den Wellen hätten verſinken ſehen und ſeinen Todesſchrei gehört hätten, ohne helfen zu können! Da hätten wir allerdings urſche zum Jammern und doch müßten wir auch das über⸗ winden. Die Verzweiflung ändert ja Nichts und dem Willen Gottes dürfen wir nicht widerſtreben.

Endlich graute der Morgen und bald darauf hatten die Geretteten ihren unbeguemen Standpunkt verlaſſen und