95
gebrechlichen Dach aufrauſchen, nicht mehr ſo gewaltig ſind, wie noch vor wenigen Minuten? Die See beruhigt ſich ein wenig und die Fluth fällt!“
Alle ſahen die Wahrheit dieſer Bemerkung ein; das Waſſer fiel faſt zuſehends und die Wogen ſtrömten bald nur noch unter den ſchwankenden Brettern hin, worauf ſie ſtanden. Neue Lebenshoffnung zog in die Herzen, welche ſo lange auf den Tod gefaßt geweſen; ihr Jubel wurde indeß gemäßigt, die Gefahr war keineswegs vorüber. Im Gegentheil, ſie ſchien wieder zu wachſen. Die Fluth unterwühlte bei ihrem Rückgang die Werfte noch mehr, als bei ihrem Steigen. Die Erde fiel in großen Stücken von den Ständern ab, welche die Querbalken und Bretter trugen, von denen die Unglück⸗ lichen über den Wellen erhalten wurden. Obgleich dieſe Baumſtämme tief in den Erdboden geſenkt waren, hatten ſie jetzt faſt allen Halt verloren und der kleine Bodenraum neigte ſich ganz auf die Seite. Die Querbalken und Bohlen löſten ſich mehr und mehr aus ihren Fugen und drohten bei jedem der noch immer häufigen Wellenſchläge auseinander zu gehen. Die Bedrängten konnten ſich nur auf den ſchrägen und glatten Brettern erhalten, indem ſie ſich feſt an die Dachſparren klammerten und die Schwächeren von den Stärkern unter⸗ ſtützt wurden.
Das war furchtbar ermüdend und Allen waren die Glie⸗ der wie abgeſtorben. Auch ſchlug das Meer noch in einzelnen ſchweren Wogenzügen nach der ungern zurückgelaſſenen Beute hinauf, und jeder Stoß, den das knarrende Brettergerüſt da⸗ bei empfing, ſchien ſie in die Tiefe hinabzureißen. Die Furcht davor war um ſo größer, je gewiſſer die Rettung war, wenn
.


