Doch auch Meike und die Nachbarn nahmen alle ſo leb⸗ haften Antheil an der Freude der Eltern, daß ſie eine Zeit lang den Sturm wie den empörten Ocean um ſich her ver⸗ gaßen. Sie bemerkten es gar nicht, daß die wenigen Balken und Bretter, die ſie vom Tode trennten, immer mehr zuſam⸗ men ſchmolzen, der Raum, auf welchem ſie ſich befanden, ſtets kleiner wurde und die Gefahr immer höher ſtieg.
Erſt nach einiger Zeit kehrte die Erinnerung zurück. Das bedenkliche Schwanken ihres Aſyls mahnte ſie daran, daß daſſelbe nicht mehr lange dem Anprall von Sturm und Meer widerſtehen könne und in kurzer Zeit auseinander ge⸗ riſſen ſein werde. Sie umſchlangen einander und die nächſten Dachſparren feſt und erwarteten bei jeder neuen Erſchütte⸗ rung von einem Wellenſchlag, ihr letzter Augenblick ſei ge⸗ kommen. Die Furcht vor dem Tode wich allmälig und machte einer Art Sehnſucht nach ihm Platz. Die mannichfachen Anſtrengungen, wie die Entbehrung des Schlafs in dieſer Nacht hatte die Meiſten ermüdet und die Angſt und die Auf⸗ regung ihre Kräfte noch mehr erſchöpft, auch war in den naſſen Kleidern bei der Kälte ihre Lage recht unbehaglich und die beſtändige Todesfurcht im höchſten Grade peinigend. Ausſicht auf Rettung war nicht vorhanden, ſo wünſchten ſie denn eine baldige Erlöſung aus dieſer Schreckensſtunde und der Tod ſelber erſchien ihnen nicht ſo entſetzlich, wie ſeine be⸗ ſtändige Erwartung.
Die Ergebung in den göttlichen Willen hatte ſich in eine dumpfe Betäubung verwandelt, da ſagte plötzlich Henneke: „Nur Muth, Kinder— der Sturm läßt etwas nach. Be⸗ merkt Ihr nicht, daß die Waſſermaſſen, die über dem


