Druckschrift 
In Mitten der Nordsee : Erzählung für die Jugend / von Marie Roskowska
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

merte das Waſſer mit blendendem Glanz. Detlev ſchaute um ſich. Außer einigen der nächſten Halligen war rings, ſo weit das Auge reichte, nur Meer und Himmel zu ſehen; doch glaubte der Knabe dort hinten im fernſten Oſten, wo Waſſer und Aether in eine Linie zuſammenfloß, die Dämme des feſten Landes ragen zu ſehen, hinter welchen es einen Wald gab. Welch wunderſames, aber prächtiges Ding ſtellte ſich der Kleine unter einem Walde vor, und doch reichte es noch lange nicht hinan an die Herrlichkeit eines wirklichen Forſts mit ſeinen majeſtätiſchen Baumſtämmen und dem ge⸗ heimnißvollen Flüſtern und Rauſchen in den ſchattigen Wipfeln.

Auf dem Fleckchen Land, welches ihn und mehrere Men⸗ ſchen inmitten des Meeres trug, herrſchte die tiefſte Stille. Die Schafe lagen in bem ſpärlichen Graſe, ihre Hüter, die Hunde träumten blinzelnd und behaglich an einer Stelle, wo das hoch ſtehende Haus ihres Herrn ihnen Schutz vor der Sonne gab. Es war ziemlich heiß, Detlev ſpürte davon jedoch wenig; er ſteckte den Kopf wieder ſo weit wie möglich unter den Strauch und die nackten Füße gleichfalls; dann ſchloß er die Augen und träumte, im Walde zu ſein. Ein ſanfter Wind, viel zu ſchwach, um die Wogen aufzuregen, wehte zuweilen kühlend vom Meer über die Hallig und be⸗ wegte flüſternd die ſchwankenden Reiſer. Detlev war darüber ſelig.Ganz wie in einem wirklichen, leibhaftigen Walde! dachte er entzückt undeſein Entzücken ſteigerte ſich noch, wenn ein vom Windhauch bewegter Zweig ſeine Wange oder ſein langes flachsblondes Haar⸗ſtreifte und es ſchadete nicht im Geringſten, wenn ihm dabei auch die Dornen zu nahe kamen.