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In Mitten der Nordsee : Erzählung für die Jugend / von Marie Roskowska
Entstehung
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wöhnlich eine Weile ſtehen und ſchaute ſich um. War Nie⸗ mand zu ſehn, weder von den Seinen, noch von Hennekes, dann huſchte er ſchnell hinüber, obgleich die Brücke ſo ſchmal und gefährlich war, daß ſich nicht leicht ein Fremder darüber gewagt hätte. Der Seearm war mindeſtens funfzehn Fuß breit, und der ſchmale Balken darüber war ſogar noch mit der ſcharfen Kante nach oben gekehrt, um die Schafe an dem Herüber⸗ und Hinübergehn zu hindern. Wer indes daran gewöhnt war, dem machte dieſer Steg weder Schwindel, noch Furcht und ſelbſt der ſechsjährige Detlev ging ohne Zögern darüber hin.

Lange ſtand er da und ſchaute nach den Blumen am Fen⸗ ſter der Frau Henneke; ſie waren auf einer Hallig überhaupt ſelten, für den Knaben ſchienen ſie aber ſo wundervoll und überirdiſch ſchön, daß er gar nicht glauben konnte, ſie ſeien etwas Wirkliches und Irdiſches und in gewöhnlicher Erde ge⸗ wachſen. Er meinte immer, ſie ſeien vom Himmel herabge⸗ fallen; wenn ihm Mutter und Tante zuweilen Abends vor dem Einſchlafen von dem verſtorbenen Brüderchen erzählten, das nun ein Engel im Himmel ſei, dann fragte er beſtändig, ob ſein Brüderchen auch ſo ſchöne Blumen habe, wie Frau Henneke. Er ſehnte ſich faſt, zu ſterben und auch ein Engel zu werden; ohne Roſen und Goldlack konnte er ſich gar kei⸗ nen Himmel denken. Die kleine unſcheinbare Blüthe der Reſeda blendete ihn nicht ſo, wie die beiden andern Blumen. Regnete es und Maatie ſtellte auf ihrer Mutter Geheiß die Blumentöpfe ſorgſam heraus, ſo hätte der Knabe am liebſten

daſtehen mögen und dieſe Zaubergewächſe betrachten, ohne

darauf zu achten, daß der Regen ihn durchnäßte. Aber er 2*