16 beſonders ſeinen wohlhabenderen Nachbar und war ſtets mürriſch und verdrießlich. Dazu kam noch, daß erträge und arbeitsſcheu war. Er klagte und grollte ſtets über ſeine Ar⸗ muth und bedachte nicht, daß er nicht that, was er konnte und lieber, wie man zu ſagen pflegt, auf der Bärenhaut lag, als tüchtig zugriff.
Er war auch zur See geweſen, hatte es aber über den Matroſen nicht hinausgebracht und von ſeiner Löhnung we⸗ nig erſpart. Als er endlich nach dem Tode ſeiner Aeltern heimgekommen war und die halbverfallene Werfte und Woh⸗ nung nothdürftig ausgebeſſert und ſich verheirathet hatte, fehlte es bald hier und da.
Henneke hatte ſich ſeiner mit Rath und That angenom⸗ men, doch wenig Dank dafür geerntet. Rikmer wollte jetzt nicht mehr arbeiten, ſondern den Herrn ſpielen, beachtete die nützlichen Rathſchläge und Winke des älteren erfahrenen Halligbewohners nicht und ärgerte ſich, daß Jener ihm rathen wollte; dünkte er ſich doch ſelber klug genug.
Henneke hatte das bald gemerkt und zu ſeiner Frau und Mutter geſagt:„Arvſt Rikmer iſt ein Narr. Es iſt am Beſten, man läßt ihn laufen, ſonſt gäbe es unter uns bald böſes Blut. Seine Frau dauert mich, ich kann ihr aber nicht helfen.“
Noch oft hatte indeß er und ſeine Frau dem undank⸗ baren Nachbar ausgeholfen, wenn es gerade Noth that. Bei Detlev, dem Söhnchen Rikmers, hatte Frau Henneke Gevatter geſtanden, und als ſein zweites Kind früh ſtarb, hatten ſie ihm willig den kleinen Sarg überlaſſen, den ſie vorräthig hatten, der übrigens für ihre eignen Kinder ſchon


