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In Mitten der Nordsee : Erzählung für die Jugend / von Marie Roskowska
Entstehung
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gewöhnlichen Nahrung der Halligbewohner, die oft täglich dreimal genoſſen wird.

Heine, der jüngſte Sohn des Hauſes, war ungefähr drei⸗ zehn Jahr, ein blühender ſonneverbrannter Knabe, ſehr groß und ſtämmig für ſein Alter. Die drei Jahr jüngere Schwe⸗ ſter Maatje war auch ziemlich unterſetzt und glich ihm ſehr, hatte eben ſo ſchöne weiße Zähne, ſo blaue Augen und blonde Haare, wie er, und auch eben ſo friſches, ehrliches Geſicht. Ein bedeutend älterer Bruder war ſchon einige Jahre zur See, ſonſt hatten ſie keine Geſchwiſter.

Frau Wabe Henneke war ungefähr vierzig Jahr, ihr Mann gegen funfzig. Die Stirnen Beider hatten ſchon manche tiefe Falte, doch waren ſie noch gewandt und rüſtig und namentlich die Frau unermüdet thätig. Dann war noch da Henneke's ſiebzigjährige Mutter, Frau Gumme, die jetzt behaglich in ihrem weich gepolſterten Lehnſtuhl ſaß und nicht das gewöhnliche Schwarzbrot, ſondern feines Brot zu ihrem Thee. Sie war noch ziemlich wohlauf, nur mit den Füßen wollte es nicht mehr recht fort, es wurde ihr ſchwer, die Werfte hinab und hinauf zu ſteigen doch brauchte ſie das auch nicht oft zu thun.

Nach dem Frühſtück ging Heine hinaus und warf einen Blick um ſich. Auf dem fahlen Grün der Hallig weidete die Heerde ſeines Vaters, bewacht von einem zottigen, weißen Hundez jenſeits des Grabens graſeten die Schafe des Nach⸗ bars, viel geringer an Zahl, auch von einem Hunde behütet. Doch nicht hierauf achtete der Knabe, ſeine Blicke hingen an der Fläche des Meeres, die ſonſt in trüben, gelblich grauen Fluthen die Inſel umgab. Jetzt, bei der Ebbe, war das