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welche das Meer nach und nach anſchwemmte und ſich da⸗ durch ſelber eine Schranke ſetzte.
Die kleineren dieſer Eilande heißen Halligen. Sie be⸗ ſitzen keine Schutzwehr gegen den andringenden Wogenſchwall und ſind flache Grasfelder, die gewöhnlich kaum zwei bis drei Fuß über dem Waſſer liegen. Bei ſolchen Fluthen und Stürmen wogt das Meer über ſie dahin und verdirbt den ohnedies ſpärlichen Graswuchs noch mehr. Dennoch ſind auch dieſe Inſelchen größtentheils bewohnt, oft nur von einer einzigen Familie, die einſam inmitten der Waſſerwüſte lebt, kein Augenblick des Lebens ſicher, immer von den Wogen be⸗ droht. Die Leute nähren ſich kümmerlich von der Schaf⸗ zucht, denn der unfruchtbare, vom Seewaſſer durchſickerte Boden trägt nichts Anderes, als ſpärliches Gras, wovon ſich das genügſame Schaf nährt, welches jedes andere Thier verſchmähen würde.
Auf einer dieſer Halligen, die nur einige tuufend Fuß breit und nicht viel länger war, ſtanden zwei Häuſer. Sie
waren nicht auf dem Boden erbaut, ſondern wie alle Hütten der Halligbewohner, auf künſtlichen Erhöhungen von Erde, Werften genannt. In einzelnen Vertiefungen ſtanden hier und da kleine Seewaſſerlachen im Graſe und ein ſchmaler Meeresarm durchſchnitt, wie ein Graben, die ganze Inſel in zwei ungleiche Hälften. Auf der kleineren derſelben war die Werfte, wie das Haus darauf, kleiner, obgleich Beides ſich nicht von den gewöhnlichen Wohnungen auf den Halli⸗ gen unterſchied. Das Häuschen war einſtöckig, Fachwerk,
mit Stroh gedeckt, und enthielt zwei Stuben. Rings um
das Haus herum war auf dem ſchräge abfallenden Hügel
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