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Mit innigem Intereſſe beugten ſich Mutter und Großmutter über das Kind und betrachteten und beſpra⸗ chen dieſe Aehnlichkeit. Die alte Gräfin fühlte ſich bei dem Anblick des Enkels an die Wiege ihres Sohnes zurückverſetzt und mit unbeſchreiblichen Empfindungen ſchaute ſie von dem unbewußt lächelnden Kinde auf die glückſelige Tochter. Nur Eltern wiſſen, welch reinigender, verſöhnender und erhebender Hauch, wie ſüßer Duft die Blume, ein ſchlummerndes Kind umweht; wie der An⸗ blick ſolch eines träumenden, noch knospenhaft verſchloſſe⸗ nen Daſeins faſt mehr als jeder andere in der Menſchen⸗ bruſt das Höchſte und Heiligſte anregt, für das die Sprache keinen Geſammtnamen hat, das wir daher, je nach unſerer Eigenthümlichkeit: Tugend, Religion, Lie⸗ be, Poeſie oder Humanität nennen; nur ſie wiſſen, daß Jedem das eigene, ſchuldloſe Kind ein Heiland und Erlö⸗ ſer iſt, oder doch ſein könnte, wie einſt das Chriſtkind es der Menſchheit war.
Für Frau Strzelno war ihr Enkel in der That der Heiland und Erlöſer. Die religiöſen Uebungen, deren Strenge ihr die Verehrung der Kloſterfrauen erworben, hatten ihr den Frieden nicht wiedergegeben, jetzt fühlte ſie ſich entſühnt. Der Sohn ihrer Tochter, Leben von ihrem Leben, konnte verwiſchen und gut machen, was ſie am Vaterlande verbrochen; nicht dadurch, daß er eine
1860. VI. Polniſche Mütter. 16


