Frau Dziekonska widerſtrebte nicht länger. Sie fragte Janek nach dem Befinden ſeines Herrn. Er ſie⸗ berte ſtark und trieb den treuen Diener an, ſich nach Praga zu begeben und es vertheidigen zu helfen, da er ſelber es nicht könne. Frau Dziekonska ließ den Neffen in Unwiſſen⸗ heit über die Verwundung ihres Gatten und ihre Abſicht, mit Marhnia zu ihm zu gehen; er hätte ſie begleiten wollen und ſein Zuſtand wäre dadurch nur noch mehr ver⸗ ſchlimmert worden. In Janek's Begleitung begab ſie ſich nach der Vorſtadt und ſtand bald mit der Tochter am Lager des ſterbenden Gatten. Sie hatte nur einen lebhaf⸗ ten Wunſch: mit ihm zu ſterben— es ſchien ihr unmög⸗ lich, ihn zu überleben. Länger als ein Vierteljahrhundert war ſie mit ihm vereint geweſen, wie ſollte ſie ohne ihn das Leben ertragen?
„Nur nicht verzagt, Boguslawa!“ ſagte der Ster⸗ bende.„Lebe, um ſtatt meiner die Auferſtehung Polens zu ſehen. Das Unglück kann ja nicht immer währen— es iſt wandelbar wie das Glück; drückt es uns heute nie⸗ der, ſo ſchlägt es nächſtens um. Polen wird wieder frei werden— und Du wirſt es noch erleben, warte es ge⸗ duldig ab.“
Es lag etwas Prophetiſches in dieſen Worten und die Generalin fühlte ſich davon tief ergriffen. Bald hatte er ausgeathmet, und ſeine Frau und Tochter knieten, in
1860. VI. Polniſche Mütter. 15


