24
ſchliffenen Manieren hatte, welche der höhere polniſche Adel
gewöhnlich beſaß, obgleich ſie oft nur der glänzende Firniß
waren, der die innere Fäulniß verhüllte. Sein Auftreten wie ſeine Redensweiſe war derb und rauh, auch gerieth er leicht in Zorn. Dennoch hingen die Seinigen mit der größten Zärtlichkeit an ihm, und ſeine Untergebenen, Sol⸗ daten ſowohl als Bauern, vergötterten ihn faſt. Das deutſche Blut, welches er von mütterlicher Seite in ſeinen Adern hatte, ſchien weſentlich ſeinen Charakter beſtimmt zu haben. Er war das treue Bild eines deutſchen Landedelmanns oder Kriegshauptmanns früherer Zeiten. Furchtlos, tapfer, leicht aufbrauſend, aber gutmüthig und großherzig, ohne Arg und Falſch und Jedem die eigene Aufrichtigkeit und Biederkeit zutrauend; kein Genie, doch mit geſundem Menſchenverſtande begabt; nicht ohne kleine angeerbte und angewöhnte Vorurtheile und Schwächen, allein ſtets bereit und fähig, dieſelben zu beſiegen, ſobald ſie mit ſeiner natürlichen Großmuth und ſeinem edeln Sinn in Confliet geriethen; dabei der zärtlichſte Gatte und Vater, der treueſte Freund, der ergebenſte Anhänger des Königs, doch entſchloſſen, ihm feindlich gegenüber zu treten, wenn er die alten Gerechtſame und Freiheiten des Vaterlandes antaſtete..
Seine Frau war nicht von germaniſcher Abkunft, dennoch beſaß ſie jene Vorzüge, die man hauptſächlich für


