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abſichtigte. Es lag eben etwas Abſichtliches in ihrem ganzen Weſen, doch nur für den Feinfühlenden. Die Menge ahnte es nicht, wie wenig aufrichtig ſie war, und glaubte auch in dieſem Augenblicke nicht, daß ihr freu⸗ diges Lächeln und die Zeichen der Rührung und Begei⸗ ſterung, welche ſie wie alle Andern kund gab, durchaus erkünſtelt waren. Zuweilen erſchien ein flüchtiger Aus⸗ druck von Triumph, ſogar von Hohn, in ihrem Antlitz.
Die Tochter dagegen war ganz Natur, Ungezwun⸗ genheit und Harmloſigkeit. Es gab viel ſchönere Mäd⸗ chen in ihrer Nähe, doch gefiel ſie mehr als manche re⸗ gelmäßige Schönheit. Man ſah es dieſer klaren Stirn an, daß noch niemals eine Sorge, ein ernſtliches Leid ſie bewölkt hatte; aus den braunen Augen ſtrahlte Glück und Unſchuld, und die beweglichen Züge ſpiegelten offen jede Regung des Innern und jeden äußern Eindruck zu⸗ rück. Sie war liebreizend in der ganzen Bedeutung des Wortes und beſaß in hohem Grade die hinreißende An⸗ muth der Polinnen.
Die Blicke der Mutter richteten ſich während des Geſanges und des Hochamts oft auf einen jungen Mann in der reichen Hofkleidung der damaligen Zeit, der auf den Stufen des Thrones ſtand. Er zählte kaum zwanzig Jahre, und ſein auffallend ſchönes Geſicht hatte eine große Aehnlichkeit mit dem ihrigen. Es war ihr ein⸗


