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Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
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ganz abgeſtorben und Aphaka rieb ſie lange, ehe er wieder einiges Gefühl darin bekam. Auch ſchmeckte ihr die Rinde nicht einmal, denn ſie hatte nie nöthig gehabt, welche zu eſſen; den armen Itelmenen diente ſie jedoch häufig zur Nahrung und wenn eine Hungersnoth eintrat, wurde in den Weiden⸗ oder auch Birkenwäldern um die Oſtrogen oft die ganze Rinde abgeſchält und verzehrt.

Das Mädchen ſuchte die Mahnung des Magens dadurch zu beſchwichtigen, daß es Schnee, wovon die Kamtſcha⸗ dalen alle ſehr große Liebhaber waren, und ließ ſich dann von Tempte ſeine Bekanntſchaft mit Alexei und Feodor um⸗ ſtändlich erzählen. Es ſtürmte noch fort und ſie konnten nicht weiter, weil vor ihnen, nur durch einen ſchmalen Wald⸗ ſaum geſchieden, eine baumloſe Ebene ſich befand, auf welche ſie ſich nicht hinauswagen durften, weil der Sturm ſie um⸗ geworfen hätte. Sie richteten ſich alſo ein, ſo gut es an⸗ ging; Tempte machte Gruben im Schnee und breitete für Aphaka Zweige darüber. Muri hielt ſeine Herrin warm und Tempte konnte ſich in ſeiner Kuklanka nach Belieben umdrehen und erwärmen.

Beide hatten ſo viel von Alerei zu ſprechen und fanden ſo viel Vergnügen an dieſer Unterhaltung, daß ihnen die Zeit gar nicht lang wurde. Doch machte ſich endlich der Hunger immer fühlbarer und Muri litt ſo ſehr davon, daß er die Riemen fraß, womit Tempte gefeſſelt geweſen war.

Währte das ſchlechte Wetter fort, ſo mußten ſie zuletzt verhungern, doch glücklicherweiſe ließ der Sturm ſchon Nach⸗ mittags ein wenig nach. Tempte führte jetzt das Mädchen ſchnell weiter. An manchen Orten lag der Schnee ellenhoch,