122 Kälte. Auch Tempte konnte es nicht aushalten; er verſuchte zwar, ſeine Arme frei zu machen, doch die Riemen ſchnitten ihm bei jeder Gelegenheit ſo ſchmerzhaft ins Fleiſch, daß er davon abſtehen mußte. Ohne den Gebrauch ſeiner Arme und Hände war er ganz hilflos, und er empfand jetzt erſt, wie unentbehrlich dieſelben ſeien, obgleich ihm ſeine ver⸗ krümmten Finger viel weniger halfen, als Andern ihre ge⸗ ſunden.
Sitzend konnte er die Kälte nicht ertragen, ſo ging er denn, trotz des Unwetters, deſſen Ungeſtüm der Wald nur zum Theil brach, langſam weiter. Er ſtolperte oft und ſtieß gegen Baumzweige, allein da ihm ſein langer, einſamer Aufenthalt in der Wildniß faſt den Inſtinet eines Thieres gegeben hatte und er ſich überdies ſehr vorſichtig weiter be⸗ wegte, ſo vermied er jeden ernſtlichen Unfall. Mit der Zeit kam er doch vorwärts und als der Tag nach der ewig langen Nacht graute, hatte er eine anſehnliche Strecke zurückgelegt.
Plötzlich bewegte ſich ein Schneehaufen vor ihm und das Gebell eines Hundes erklang. Im nächſten Augenblick ſchüttelte Aphaka ihre Schneedecke ab und war höchſt er⸗ freut, ſtatt des wilden Thiers, welches ſie zu ſehen erwartete, den Ausgeſtoßenen zu erblicken, der für ihre Freunde ſo auf⸗ opfernd gelitten hatte. Auch Tempte war hoch erfreut. Er hatte um Aphaka's Schickſal lebhafte Beſorgniß gehegt, als die Hunde mit ihr und Galgal durchgingen, denn er nahm Antheil an ihr, weil ſie Alexei ſo nahe ſtand.
Aphaka durchſchnitt ſeine Bande und klagte ihm dann, daß ſie Hunger habe; er ſuchte ihr Stückchen Weidenrinde. Allein durch die gehemmte Bluteirkulation waren ſeine Hände


