Druckschrift 
Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
Einzelbild herunterladen

121

nach dem Oſtrog bringen wollten. Er fütterte den Gefeſſelten wieder und der gute Appetit, den der ſcheinbar Todtkranke zu haben ſchien, erfreute das Herz des gutmüthigen Ruſſen.

Als die Nacht vorgerückt und Einer nach dem Andern eingeſchlafen war, kauerte Tempte ſich noch mehr zuſammen und zog aus ſeinem Schuh, den er glücklicherweiſe erreichen konnte, das Meſſer, welches Alexei ihm auch geſchenkt, das er ſeitdem immer bei ſich getragen und kurz vor ſeiner Gefangen⸗ nehmung dahin geſteckt hatte.

Er ſchnitt damit die Bande an ſeinen Füßen durch und obgleich es ihm ſehr ſchwer wurde und auch ſehr lange dauerte, kam er endlich doch mit dieſer Rieſenarbeit zu Stande; darauf ſchüttelte er die Riemen von ſeinen Füßen, ſtieß behutſam die Zweige fort, die an einer Seite der Zelt⸗ wand die Lücke verſtopften, welche die etwas zu kurze Matte gelaſſen hatte und ſchlüpfte hinaus. Die Hunde wurden nicht unruhiger, als ſie es durch den Sturm ſchon waren,

daher entkam Tempte unbemerkt. Die Schnelligkeit, womit er ſich trotz des heftigen Windes und Schneegeſtöbers ent⸗ fernte, bewies, daß er die große Entkräftung nur vorgegeben hatte, um die Koſaken ſorgloſer zu machen. In einiger Entfernung ſetzte er ſich nieder, ließ ſich ein wenig einſchneien und wollte ausruhen. Allein die Itel⸗ menen waren gewohnt, wenn ſie im Freien übernachteten, oder einen Schneeſturm abwarteten, ihre Kuklanka auf dem bloßen Leibe zu haben und ſich von Zeit zu Zeit umzudrehen. Dabei zündeten ſie nie ein Feuer an und froren ſelbſt in der ſtrengſten Kälte nicht im Mindeſten; hatten ſie die Kleidungs⸗ ſtücke aber feſt auf dem Leibe, ſo erſtarrten ſie gleich vor