Druckschrift 
Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1¹9

herab und legten ſich, eine weiße Hülle, dicht und immer dichter um die kleine, zuſammengekauerte Geſtalt; ſie ſchienen das Leichentuch zu ſein, welches die Natur freundlich über das einſame Mädchen breitete. Der Orkan ſchwieg endlich eine Weile, als wolle er ihren Schlummer nicht ſtören.

Plötzlich durchdrang ein fremdartiger Ton die Luft ein Schnaufen näherte ſich. An das Brauſen des Sturms und das Kniſtern in den Zweigen war Aphaka ſchon ſo ge⸗ wöhnt, daß es ſie nicht ſtörte, allein ſie fuhr auf, als dieſer ungewohnte Laut ihr Ohr berührte. Ein dunkler Gegen⸗ ſtand bewegte ſich durch die Nacht auf ſie zu.

Ein Wolf! Mein Gott, ſtehe mir bei! dachte ſie angſt⸗ voll und griff mechaniſch nach dem Baumzweig, welcher neben ihr lag. Doch der wohlbekannte Laut, den das Thier aus⸗ ſtieß, indem es auf ſie zuſprang und ſie faſt niederwarf, ver⸗ wandelte ihr Entſetzen in die höchſte Freude; es war nur das heiſere Bellen eines Hundes, allein es klang ihr ſüßer, als die herrlichſte Mufik.Muri, mein lieber Muri! rief ſie entzückt und ſchlang ihre Arme um den Hals des Hundes, der mit ſeiner heißen Zunge ihr kaltes Geſicht leckte. Sie lachte und weinte zugleich vor Freude und vergaß ihre völlige ud gar.

Nochdem ſie länge das Thier geliebkoſt und mit ihm ge⸗ ſprochen ha als könne ſie es verſtehen, forderte die Natur gebieteriſch ihr Recht. Sie legte ihren Kopf auf den breiten, zottigen Rücken des Hundes und ſchlief ſanft und furchtlos ein, während ihre Hände ſeinen Hals umfaßt hielten. Das kluge Thier lag ſtill und ſchüttelte ſich nur zuweilen ein