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Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
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kommen und die glückliche Flucht Alexei's war ja ein Beweis des göttlichen Beiſtandes.

um nicht wieder von der Furcht überwältigt zu werden, die in ihrer Lage ſo natürlich war, dachte Aphaka an Aller⸗ lei, an ihre Lieben daheim, an ihre Eltern, die dieſes Un⸗ wetter vielleicht irgendwo abwarteten, und fragte ſich mehr als ein Mal, wo Alexei wohl ſein könne. Jedenfalls war er nicht ſo verlaſſen, wie ſie; er hatte Feodor bei ſich und für Männer war ein Schneeſturm ſelten gefährlich, wenn ſie nur die nöthige Vorſicht anwendeten. Ihre lebhafte Ein⸗ bildung ließ ſie ihre Umgebung bald faſt ganz vergeſſen; ſie erinnerte ſich an Alles, was Alexei geſprochen hatte, und ver⸗ tiefte ſich in die Pläne, die er für die Zukunft hegte.

Von Zeit zu Zeit ſtand ſie jedoch auf und ſchüttelte den Schnee von ſich. Das wurde ihr aber jedes Mal ſchwerer, denn ſie war todtmüde und empfand eine unwiderſtehliche Schläfrigkeit. Sie wußte, daß ſie zugeſchneit würde und erſticken müßte, wenn ſie einſchliefe und ſuchte ſich daher munter zu erhalten; allein zuletzt war ihr das faſt unmöglich, auch begann ſie Froſt zu empfinden. Der Schnee, welcher ſie bedeckte, erwärmte ſie nicht er war feucht und durch⸗ näßte ihre Kleider, ſobald der Wind nördlicher und kälter wurde, mußte ſie erfrieren.

Endlich vermochte ſie ſich des Schlafes nicht mehr zu erwehren; in dem Zuſtande zwiſchen Traum und Wachen ſchien ihr das Heulen des Sturmes ein Wiegenlied, das ſie um ſo ſüßer einſchläferte; ihre Augen ſanken zu, trotz ihrer Anſtrengung, ſie offen zu erhalten und ein Schleier umflorte ihr Bewußtſein. Die Schneeflocken rieſelten unaufhörlich