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niederſtürzte, ſchreckte ſie auf. Trotz ihrer Verzweiflung mochte ſie ihr junges Leben doch nicht widerſtandslos dem Tode preisgeben und tappte in der Finſterniß nach einem Plätzchen, in deſſen Nähe ſich keine hohen Bäume befanden. Ein Dickicht von jungen Tannen ſchützte ſie beſſer, als das kahle Weidengeſträuch, vor der Gewalt des Windes, auch machte ſie mit einem Baumzweig eine Grube im Schnee und ſetzte ſich hinein. Sie gedachte mit qualvoller Sehnſucht des freundlichen Heerdfeuers in ihrer elterlichen Wohnung, wie der zärtlichen Sorgfalt, welche Mutter und Großmutter und alle Angehörigen ſtets für ſie gehabt hatten und es graute ihr unſäglich vor der Ausſicht, zu erfrieren oder zu verhungern, oder von wilden Thieren zerriſſen zu werden. Die Oede um ſie her entſetzte ſie und die unheimlichen Stimmen des Waldes und des Sturmes vergrößerten ihre Angſt.
Plötzlich erinnerte ſie ſich deſſen, was Alexei von der Liebe und der Allgegenwart Gottes geſagt hatte. Ihr, die ſich von jeder menſchlichen Hilfe fern wußte, war der Gedanke ein unbeſchreiblicher Troſt, daß Gottes Vaterauge über ſie wache und ſeine Allmacht unzählige Mittel und Wege zu ihrem Schutz habe. Sie betete mit einer Inbrunſt, die Nie⸗ mand kennt, der nicht in troſtloſer, verzweifelter Lage war, und ihre Bangigkeit ſchwand, ihr Muth, ihre Zuverſicht kehrten zurück. Sie hoffte, der Sturm werde bald vorüber⸗ gehen und es werde ihr dann möglich ſein, nach Hauſe zu kommen; die Wölfe fielen ſelten einen Menſchen an und ſie war ſtark und geſund, konnte viel Beſchwerden ertragen und ſich im Nothfall noch vertheidigen. Es ſchien ihr unglaublich, daß ſie vom Ertrinken gerettet worden, um hier ſo elend umzu⸗


