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mehr wußte, wohin ſie ſich wenden ſollte, um ſich von Hauſe nicht weiter zu entfernen. Auch war ſie ſehr müde von der raſtloſen Aufmerkſamkeit, ſich bei dem tollen Lauf der Hunde im Schlitten zu erhalten und den Stößen ſo gut wie möglich auszuweichen, und zerſchlagen von den Stößen, welche ſie nicht hatte vermeiden können. Ueberdies wich der trübe, dämmrige Tag allgemach einer ſtockfinſtern Nacht und die furchtbare Heſtigkeit des Sturmes nahm noch immer zu, an weniger geſchützten Stellen war es nicht möglich, ſich aufrecht zu erhalten. Zwiſchen dem Winde, der in den ver⸗ ſchiedenſten Tonarten pfiff und heulte, dröhnte der Fall ent⸗ wurzelter Bäume; zuweilen klang auch aus der Ferne das Geheul eines Wolfes, oder der klägliche Schrei eines Wildes, das ſich aus einer Schneegrube nicht herauszuarbeiten ver⸗ mochte, in welche es gerathen war.
Aphaka hatte die Kapuze an ihrer Kuklanka über den Kopf gezogen und kämpfte eine Weile muthig gegen die ſie umgebenden Schreckniſſe. Sie beſann ſich, daß die Richtung des Sturmes ihr als Wegweiſer dienen konnte, allein ſie vermochte nicht, wider den Wind zu gehen, auch verſank ſie oft in Schneewehen; einmal kniſterte und krachte es ſogar unter ihren Füßen und ſie wäre in einen Bach eingebrochen, deſſen dünne Eisrinde der Schnee verätheriſch bedeckte, wäre ſie nicht ſchnell zurückgeſprungen. Erſchöpft ſetzte ſie ſich endlich nieder, wo Gebüſch und einige Steine etwas Schutz vor dem Orkan gewährten. Das Gefühl der Ein⸗ ſamkeit und ihrer troſtloſen Verlaſſenheit überwältigte ſie jetzt; in Thränen ausbrechend, erwartete ſie ihr Ende.
Ein Baum, der vom Sturm getroffen, dicht neben ihr


