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Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
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Die verheißungsvollen Worte Temptes klangen in ibren Sh⸗ ren und in ihrem Herzen. Vielleicht hat Gott zu ihrer Be⸗ freiung auch irgend ein Wunder, wie Alexei dergleichen aus der bibliſchen Geſchichte erzählt hatte. In ihrer kindlichen Einfalt hätte es ſie nicht im Mindeſten überraſcht, wenn das Unerhörteſte geſchehen wäre; ſie dachte:Gott iſt allmächtig und ich habe nichts Böſes gethan, vielleicht hilft er mir wenn ich ihn recht darum bitte!

Allein kein Wunder geſchah und unateh ſch darein. Alexei war der Gefangenſchaft entronnen das blieb die Hauptſache. Sie hatte ein ſo hohes Vertrauen zu ſeiner Kraft und Klugheit, daß ſie feſt überzeugt war, er werde ſie aus der Sklaverei, wie aus den Wellen der Tſcham⸗ ſcha, retten, wenn auch nicht früher als bei der Befreiung des Landes, von welcher er oft begeiſtert mit ihr geſprochen. Sie fühlte den Jammer der Großmutter mit und die Ver⸗ zweiflung der Eltern, wenn ſie heimkehrten und ihre Tochter nicht fanden, doch ſie beſaß die Schwungkraft des Gemüthes, welche der Jugend ſelten fehlt, und einen für ihre Jahre un⸗ gewöhnlich ſtarken Geiſt. So hoffte ſie denn das Beſte, machte ſich jedoch auf das Schlimmſte gefaßt und kehrte ſtets zu dem Gedanken zurück:Alexei war ja auch der Jeſirre der Tatachs; warum ſoun für mich eine Schande ſein, was er dulden mußte? Er wurde dabei gut und klug, ich will verſuchen, auch zu lernen, vielleicht kann ich ihm dann nütz⸗ licher ſein, als blieb die Standhaftigkeit Temptes nicht ohne Einfluß auf ihr Stimmung; ſie wollte nicht ſchwächer ſein, wie dieſer Ausgeſtoßene, den ihr ganzes Volk unſäglich verachtete, für den ſie aber Theilnahme fühlte,