54 den Wald gehn und ſich todt hungern, wie es viele von unſern Leuten thun, wenn ſie hungrig oder betrübt ſind, ge⸗ fällt mir gar nicht. Das Leben iſt ja ſo ſchön und geht's Einem heute ſchlecht, ſo kann es morgen wieder beſſer ſein, und man muß ſein Schickſal tragen, wenn man es nicht ändern kann, ſagt Alexei!“
„Das iſt Alles wahr, nur Eins begreife ich nicht recht!“ meinte Paſuitſch nachdenklich und doch mit einem Anflug von Schelmerei.„Der Glaube an Gott ſoll gut und gerecht machen, weil Gott ſelber gut und gerecht iſt— aber warum beweiſt er ſeine Kraft denn gar nicht an den Ruſſen? Sie ſind viel ſchlechter und grauſamer, als die Itelmenen, die einfältig find und auch nur einfältige Götter haben. Daran dachten wir immer, wenn der Ruſſe nach dem Jaſak oder auf Handel kam und uns zur Taufe zuredete.“
„Wird bei uns der Diebſtahl nicht verachtet und hart beſtraft? Und doch gibt es Diebe unter uns,“ erwiederte Alerei ſchnell.„So iſt es auch bei den Ruſſen! Sie ſollen gut ſein, ihr Glaube befiehlt es und droht ihnen, wenn auch erſt nach dieſem Leben, mit harter Strafe, und doch ſind Viele unter ihnen ſchlecht. Aber nicht Alle; überhaupt dürft ihr nicht denken, alle Chriſten ſeien ſo ſchlecht, wie die Ruſ⸗ ſen bei uns. Hierher kommt beinahe nur das verlaufene Ge⸗ ſindel, das, wie bei uns ein Dieb, von den ehrlichen Men⸗ ſchen verachtet und gemieden wird. In andern Ländern, deren es noch ſo viele gibt, wie ihr euch gar nicht denken könnt, ſind viel beſſere und noch klügere Leute, wie die Ko⸗ ſaken, welche ihr kennt, und das ſind die eigentlichen Chriſten,⸗ während dieſe hier kaum mehr als den Namen haben.—


