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Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
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am Leben blieb, der einmal zum Tode beſtimmt geweſen ſei.

Sie nahmen ihn niemals bei ſich auf, hielten keine Gemein⸗ ſchaft mit ihm und ein ſolcher unglücklicher Menſch mußte hilflos leben oder nach einer itfiin Gegend auswandern, wo ihn Niemand kannte.

Paſuitſch dachte daran jedoch nicht ihre mütterliche Zärtlichkeit erhob ſie über den Wahn ihres Volkes; allein ſie vermochte zur Rettung ihres Kindes nichts zu thun, da es ſchon ziemlich entfernt war; überdies konnte ſie ja nicht ſchwimmen.

So war denn keine Rettung und das Jammergeſchrei der Mutter zerriß die Luft, während das Mädchen ſtets weiter fortgetrieben ward und zuweilen im Waſſer verſchwand, nach einem Augenblick jedoch wieder auftauchte.

Plötzlich trat aus dem Gebüſch am Uferrand ein junger Menſch, faſt noch ein Knabe, hervor.Rette ſie, rette ſie rief Paſuitſch ihm flehend zu, ohne ſich daran zu erinnern, daß ihre herzzerreißendſte Bitte keinen Itelmen zum Beiſtand bewegt hätte, ſo leid ihm das Unglück vielleicht auch gethan.

Allein der Ankömmling theilte augenſcheinlich nicht das

barbariſche Vorurtheil der Eingebornen. Am ufer lag von

dem Holz, welches zur Errichtung der Fiſcherhütten den Strom hinabgeflößt worden, ein Stamm der hier an einem

Vorſprung hängen geblieben war. Mit ſchneller Beſonnenheit ſtieß der Knabe das eine, loſe aufliegende Ende deſſelben ins Waſſer, warf dann ſeinen Rock ab und ſprang muthig in den Fluß Er war ein tüchtiger Schwimmer erfaßte glücklich das Mädchen und erreichte nach einer mächtigen

Anſtrengung den Baumſtamm, woran er ſich feſthielt, um 2*

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