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Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
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20 nicht von der Strömung fortgeriſſen zu werden. Nachdem er einige Augenblicke Athem geſchöpft hatte, brachte er Aphaka ans Land. Sie war mehr todt als lebendig, erholte ſich jedoch bald, als ihre, indeß herbeigekommene Mutter ſie in die Arme ſchloß und mit Küſſen bedeckte.

Nach einer Weile wandte ſie ſich zu dem Retter ihrer Tochter, der ſeinen Rock wieder angezogen hatte und mit leb⸗ haftem Antheil an der mütterlichen Freude neben ihr ſtand. Sie überhäufte ihn mit glühenden Dankesworten, allein bald verſtummte ſie und betrachtete ihn erſtaunt und zweifelnd. Es war ein Knabe von vielleicht funfzehn Jahren, mit ſchwar⸗ zem Haar und dunkeln Augen, aus denen mehr Verſtand leuchtete, als er den Itelmenen überhaupt eigen zu ſein pflegte. Auch waren ſeine Züge nicht platt und ſtumpf, ſon⸗ dern hübſch und belebt und glichen denen Aphaka's ſo ſehr, daß man ſie für ſeine Schweſter hätte halten können.

Eine Erinnerung ſtieg in Paſuitſch auf bei dem Anblick

dieſes bekannten Geſichts, und zwiſchen Ungewißheit und Glauben kämpfend, betrachtete ſie die Kleidung des Jüng⸗ lings, welche aus grobem Tuch und nach ruſſiſchem Schnitt war. Eben wollte ſie fragen, wer er ſei, als von fern der Ruf:Alexei! ertönte.

Hier, Feodor! antwortete Aphaka's Retter und nach

kurzer Zeit trat aus dem Geſtrüpp der junge Inſulaner, welchen die Itelmenen vorhin für den Gott des Windes ge⸗ halten hatten.

Auch Paſuitſch und ihre Tochter hielten ihn für Bala⸗ kitgh und furchtſam ſchmiegte ſich das Mädchen an die Mut⸗ ter, welche ſelbſt nicht frei von einem kleinen Schrecken war.