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Alexei und Aphaka oder die Kamtschadalen / von Marie Roskowska
Entstehung
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14 jetzt ziemlich hübſch war. Die Frau hieß Paſuitſch, d. i. e Thränende, zum Andenken an die betrübte Zeit, da ſie gebo⸗ ren wurde; ſie war nämlich bald nach der Einnahme des Landes durch die Ruſſen zur Welt gekommen.

Paſuitſch und ihre Tochter waren nach kamtſchatkiſchen Begriffen außerordentlich ſchön gekleidet. Ihre Barken von Rennthierleder mit Ellernrinde pomeranzengelb gefärbt, hatten unten herum einen handbreiten Streifen von weißen Haaren, untermiſcht mit rothem Seehundsleder und bunt⸗ farbigen Haarbüſcheln. Die Kamtſchadalen hielten nämlich den Regenbogen für den Saum an der Barke des Himmels⸗ gottes Billutſchei und glaubten ihm ähnlich zu ſein, wenn ſie ihre Röcke mit einer bunten Borte ſchmückten.

Die Barka der Paſuitſch war übrigens gar nicht zu ſehn, denn ſie trug darüber die Kuklanka, welche weiter und länger iſt, ganz zugenäht und, wie die der Männer, mit einer Kapuze verſehn. Nur hatte die Kuklanka der Frauen hinten eine Verlängerung, welche faſt den Schleppen unſrer Urgroß⸗ mütter glich, doch ſchmäler und alſo ſchweifähnlich war. Oben um die Halsöffnung des Kleidungsſtückes, welches aus dem beſonders geſchätzten Fell der Hunde beſtand, am

Ende der Aermel, wie unten herum, waren lange Hunde⸗

haare angenäht und oberhalb dieſer zottigen Franzen befand ſich, wie an den Barken, eine breite Borte von bunten Haa⸗ ren. Außerdem waren über das Ganze unzählige kleine Riemchen zerſtreut, die an einem Ende befeſtigt waren, während am andern Büſchelchen von rothen Seehundshaaren Quaſten vorſtellten, die ſich beim Gehen beſtändig bewegten. Kurz, dieſe Kuklanka war ein Wunder von Schönheit