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geirrt habe. In den Jahren ſeines Gluͤcks knuͤpfte die Eitelkeit ſie an ſein Schickſal; jetzt machte ihr gekraͤnkter Stolz ihm bittere, unverdiente Vorwuͤrfe, und an die Stelle des Wohlwollens trat eine Gleichguͤltigkeit, die ſchmerzlicher iſt als der Haß. Ohne Zweifel waͤre der jetzige Moment der geeigneteſte gewe⸗ ſen, ſie wieder auf den Pfad der Tugend zu⸗ ruͤck zu fuͤhren, und zu ihrer hoͤchſten Pflicht, ihrem Gatten den inneren Frieden wieder zu verſchaffen, den er um ihrentwillen verloren hatte: aber der Egoismus erſtickte jedes beſ⸗ ſere Gefuͤhl. Das Publikum beweiſt faſt ſtets durch ſeine Urtheile, wie ſehr es jede Pflicht⸗ erfuͤllung zu ehren weiß. Ueber kleine Schwaͤ⸗ chen ſieht es meiſt hinaus, ſo lange ſie in den Grenzen des Anſtands bleiben, und laͤchelt zu kleinen Dornen, die zuweilen auf den Pfad ehelicher Gluͤckſeligkeit geſtreut werden; aber gegen ſchnöden Undank zeigt es ſich unerbitt⸗ lich. Die Graͤfin vergaß die Rechte, welche ihr Gemahl noch uͤber ſie hatte; ſie vergaß ſelbſt die Gefuͤhle der Natur, und verließ die Wohnung ihres Gatten, um ſich in die Ar⸗ me der Schande zu werfen, gegen welche ſie


