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Herz dir ewig angehören, doch nicht ſo meine Hand, die ich aber auch nie einem Andern rei⸗ chen werde. Ich bin entſchloſſen deine Ruͤck⸗ kehr in dieſem traurigen zu Orte erwarten. Du ſollſt mich mitten unter dieſen unfruchtbaren Felſen wiederfinden, von deren Höhe ich jeden Tag in das Thal herabſchauen werde, um dei⸗ ne Ruͤckkehr zu erſpaͤhen. Vielleicht findeſt du mich alsdann zu den Fuͤßen des Kreuzes fuͤr dich betend, oder vielleicht auch in der kuͤhlen Gruft, in welcher dieſes Herz, das nie aufhoͤrte fuͤr dich zu ſchlagen, Ruhe finden wird.“ Schluchzen erſtickte ihre Stimme. Mei⸗ ne Seele folgte allen Bewegungen der ihrigen. 3 Sehnlichſt wuͤnſchte ich, dieſer Augenblick moge mein letzter ſeyn. Eins in den Armen des Andern zu ſterben, ſchien mir das einzige Gluͤck, welches das ſtrenge oder guͤtige Schick ſal uns noch aufgeſpart habe. Ich erkuͤhnte mich, dieſen ſchrecklichen Wunſch zu äußern; denn die Beſinnung hatte mich gaͤnzlich verlaſ⸗ ſen. O, wie zeigte ſich da ihre Tugend, ihre Liebe! Sie ſetzte meiner Raſerei eine Ruhe—
entgegen, die ſie fern war zu empfinden. Ob zwar mit dem feſteſten Muth begabt, beklagte


