— 66—
mir entgegenſtellte, hinwegzuraͤumen, indem ich die Arguſſe, mit denen ſie ſich umringte, ent⸗ fernte, oder mich offenbar ihren ſonſt ſo geach⸗ teten Befehlen entgegenſtemmte, ſo entzog mir entweder ein dichter Schleier ihr liebliches Ge⸗ ſicht, oder ihr Koͤpfchen ſenkte ſich auf ein Buch oder eine Stickerei, und erhob ſich nur halb, um ſich gleich wieder nieder zu beugen. Es wuͤrde mir unmoͤglich ſeyn, die Empfin⸗ dungen zu ſchildern, welche mein Herz zerriſſen, als ich endlich nicht laͤnger zweifeln konnte, Almaide vermeide mit Vorbedacht jede Gele⸗ genheit, das alte Zutrauen zwiſchen uns aufle⸗ ben zu laſſen. Meine Seele unterlag allen Qualen einer Eiferſucht ohne Gegenſtand. Noch nie hatte ich das Wort Liebe ausgeſprochen, und ich hielt das Betragen derjenigen, die ich Schweſter nannte, fuͤr einen ſchrecklichen Bruch der Geſchwiſterliebe. Mein Stolz empoͤrte ſich gegen das Gefuͤhl, welches mich ſtets zu ihr zuruͤckfuͤhrte. Ich erroͤthete uͤber dieſes Gefuͤhl, welches ich meine Schwaͤche nannte, und in dem nemlichen Augenblicke, in welchem ihre ſcheinbare Kaͤlte mich am meiſten erzuͤrnt hatte, gerieth ich in Verſuchung, mich zu ihren
„ 3


