Ich konnte mich nicht ganz von der Ge⸗ ſellſchaft meiner Schulkammeraden losmachen.
Ich liebte Lerm und heftige Leibesbewegungen. Im Wettlauf und in allen Spielen, zu wel⸗
chen koͤrperliche Gewandheit gehoͤrt, zeichnete ich mich aus. Eines Tages ſchenkte man mir die Ueberſetzung des befreiten Jeruſalems und die des raſenden Rolands. Ich verſchlang ſie beinahe, und meine Einbildungskraft, ent⸗ flammt durch die reizendſten Gemaͤlde der feu⸗ rigſten Leidenſchaften, der zaͤrtlichſten Gefuͤhle und der wolluͤſtigſten Bilder, verwandelte als⸗ bald Almaiden in Angelika, Armide und Her⸗ minie. Mein Herz, das ſich noch nicht kannte, und das ſich in der Ueberzeugung, ich ſey ihr Bruder, nicht haͤtte ohne Abſcheu trennen koͤn⸗ nen, unterwarf dennoch alle meine Handlun⸗ gen den eigenſinnigen und mir ſelbſt noch raͤthſelhaften Empfindungen meiner aufkeimen⸗ den Liebe. Hierdurch angeſpornt, zwang ich alle meine Geſpielen, zu erklaͤren, meine Schwe⸗ ſter ſey das ſchoͤnſte unter allen jungen Maͤd⸗ chen Cerveras. Dieſen Vorzug erhielt ich nicht ohne Kaͤmpfe. Gaben mir auch einige Freunde lachend nach, ſo vertheidigten hingegen viele


