204
holt, angewieſen. Um beſſer zu leben, und da ein fremdes Kind doch Riemand ſo ſehr am Herzen liegt, beſchloſſen wir, uns von demſelben zu befreien. Nachdem ich es etwa drei bis vier Monate gehabt, ging ich weit von unſrer Huͤtte fort und forſchte uberall herum nach kinderloſen Leuten. In dem Gau des Herrn Ritters Kunz von Maien⸗ thal fand ich den kinderloſen Bauer Berndt. Unter einem Vorwande uͤbergab ich ihm das kleine Maͤdchen und entfernte mich. Der liebe Gott hat aber meine That ſchwer ge⸗ geraͤcht, denn mein Sohn, der nun als Ritterbube erzogen wurde, artete leider ſo aus, daß er endlich zu einem Raubritter geworden. Mein Mann wie ich mußten uns ſcheuen und durften es wegen der har⸗ ten Drohungen des Burgvogts nicht wagen, unſerm Sohne die Entdeckung ſeiner Geburt zu machen. Seine vorherigen Verſprechun⸗ gen waren groͤßtentheils leere Worte gewe⸗ ſen und endlich wurden wir gar aus der


