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unter dem ſchattigen Portale der Kirche verſchwinden und in den wehmüthigen Wandel meiner Gedanken, in⸗ dem ich den Raum und die Zeit zwiſchen heut und zwiſchen damals überſchaue, miſcht ſich das volle und
feierliche Dröhnen der Orgel.— Zetzt Alles ſtill... bis auf das Flüſtern der Bäume über mir, und das leiſe Rauſchen des Windes, welcher von der Lahn her⸗ auf, die Wieſen und Gärten ſtreift... Jetzt ſtehen ſie vor dem Altare... mir iſt, als ob ich die Stimme des Pfarrers vernehme... des guten Pfarrers, den ich ſo wol kenne... und wie er ſeine oft gehaltene Rede von der Liebe, die Alles kann, die Alles thut und Alles duldet, wiederholt, und ich denke an meine Freunde, die mit mir einſt hier unter den Blüthenbäumen ge⸗ ſchwärmt, und die nun Alle glückliche Chemänner und Familienväter geworden.... Glücklich? Alle?. Ach, die Meiſten von ihnen erwarteten von der Ehe gar Nichts. Sie hofften nicht einmal, daß ſie glücklich darin werden würden. Sie ſchienen nur auf ein paar Feiertage beim Beginn derſelben gerechnet zu haben; nach welchen ſie, im beſten Falle, zu dem gewöhnlichen Cours ihres Lebens zurückkehren müßten, und— wenn ſich's ſchlimmer machte— zu beſtändigem Elend und Unbehagen..
Nein! Walter und Gertrud, Euch iſt ein anderes Lobs beſtimmt. Denn Eure Liebe iſt geprüft und Eure Treue hat ſich befeſtigt, Beides, im Sturme der Welt und der hoffnungsloſen Einſamkeit des Hauſes. Und ſo— nachdem der Pfarrer Euch ſeinen Segen gegeben, gibt Euch der Dichter— welcher draußen ſteht, unter


