Teil eines Werkes 
3. Buch (1863)
Entstehung
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an ſeine Bruſt zu drücken,an den Tag, an welchem ich von Dir Abſchied nahm; und mein Herz trieb mich hierher, um an dieſer Stelle Gott zu danken, daß er mich wieder zu Dir zurückgeführt hat. O Gertrud, Gertrud, wie glücklich bin ich. Dann preßte er einen langen Kuß auf ihren reinen Mund, und Hand in Hand mit ihr kehrte er zu den Hochzeitsgäſten zurück. Die Trauung konnte nicht Statt finden in dem ſchönen Eliſabether⸗Dom, weil die Arbeiten, welche dieſes herr⸗ liche, aber etwas verfallene Denkmal der Kunſt und Frömmigkeit früherer Tage wieder in alter Pracht her⸗ ſtellen ſollen, noch immer nicht ganz vollendet ſind; weswegen der Hochzeitszug ſich nach der lutheriſchen Kirche bewegte, welche hoch auf dem Hügel, unter dem Schloßberg, liegt, umgeben von grünen Bäumen und mit der ſchönſten Ausſicht auf die Gärten und Felder und Berge des Lahnthals...

Sonniges Lahnthal! Friedliche Heimath meiner eig⸗ üen jungen Tage, die Feder niederzulegen und an dich zu denken, jetzt im beginnenden Ernſte des Mannes⸗

alters, ſtimmt mich weich und giebt meinem Herzen

eine ſanftere, ſchmerzloſe Abſchiedsempfindung... Hin⸗ ter uns liegen die Feſte der Jugend, hinter uns die lieblichen Nächte des Lenzes... aber deine Berge, o Heimath, ſeh' ich leuchten! Ich athme den Wohlgeruch deiner Wälder... ich höre das Läuten deiner Glocken. Ich ſehe die Hochzeitsſchaar heraufkommen dort, den breiten Weg über die Treppen, welchen ich ſelbſt oft gewandelt mit fröhlichen Hoffnungen von der Welt, mit großen Erwartungen vom Leben... ich ſehe ſie