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alle Dem. Er ſpielte und ſein garzes Weſen war aufgelöſt in Muſik und Sehnſucht nach dem Unaus⸗ ſprechlichen.
Er ſpielte die wonnigen Lieder Mendelsſohns, die Duette, welche er auf den Taſten in ſanft getragene Weiſen verwandelte, und in dem Ueberſtrömen ſeines Herzens, welches nach einem Wort für dasjenige ſuchte, was doch kein Wort ausdrücken kann, ſang er dazu— leiſe, leiſe, kaum hörbar. Er ſang das Lied von der Haide und dem Sturme und daß er ſein Liebchen mit dem Mantel vor dem Sturme ſchützen möchte und daß die Wüſte ihm zum Paradieſe würde, wär' ſie bei ihm — und daß ſie in ſeiner Krone der ſchönſte Stein, wenn er ein König wär' und wenn die Erde ſein.... Und dann ſang er das andre Lied von der Hinfälligkeit aller Luſt und wie ſo bald der Reigen verhalle....
Bald ſind letzten Klänge verflogen, Bald iſt das letzte Grün dahin; Bald ſind die letzten Sänger gezogen, Alle ſie wollen zur Heimat ziehn.
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Ach wie ſo bald verhallet der Reigen, Wandelt ſich Luſt in ſehnendes Leid!— Ach, wie ſo bald in trauerndes Schweigen Wandelt ſich alle die Fröhlichkeit... Wart ihr ein Traum, ihr Liebesgedanken— Süß wie der Lenz und ſchnell verweht? Eines, nur eines will nimmer wanken— Es iſt das Sehnen, das nimmer vergeht.
Plötzlich hielt er inne. Er fühlte den ſanften Druck einer Frauenhand auf ſeiner Schulter. Er ſah auf.


