Teil eines Werkes 
3. Buch (1863)
Entstehung
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Dieſer neue Klang traf Walter's Herz, wie eine Stimme der Heimkehr zu ſeinem verlorenen Selbſt. Walter war zuerſt betroffen und hielt mitten inne. Dann war er ergriffen, bis zu Thränen, und konnte nicht hindern und wollte es nicht, daß ſie niederrollten langſam und eine nach der andern. Dann war er ent⸗ zückt und hingeriſſen bei jeder neuen Wendung und glücklich, wenn der eigenſte Grundton dieſer ſchwärme⸗ riſchen Seele wiederkehrke, dies ſüße Schluchzen, wie das einer Nachtigall des Oſtens, dies melancholiſche Klin⸗ gen, wie das von Regentropfen an einem Sommerabend. Zuletzt kam eine ſtille Seligkeit über ihn, wenn er Men⸗ delsſohn ſpielte, eine Ruhe, wie aus ferner Kinderzeit, wie aus den grünen Mittagswieſen und den duftigen Sommerabendgefilden ſeiner Heimat, bevor die Kämpfe des Lebens für ihn begonnen.

Und ſo, während der Herbſt und Winter dahingingen, vertiefte er ſich immer mehr und mehr in das wahre Geheimniß ſeiner Kunſt, welches jetzt zuerſt ſeine zu weiten und ſein Auge zu erleuchten anfing. K gann ein neues Glück zu ahnen, von welchem erzzuvor ichts gewußt; und einen neuen Frieden zu empfinden, an welchen er ehedem nicht gedacht. Ferner, immer ferner, wie in einen ſchönen Abendduft trat ihm das Bild Annie's. Er dachte ſich ihr Bild, wie das Bild, welches er in ſeiner früheſten Kindheit geſehen am

Rande der Feldmark von Kornblumen umblüht. Und

in eine andere Heimat rief ihn dieſe neue Muſik in die ewige Heimat der Kunſt, wo die Sehnſucht wohnt, die hienieden keine Befriedigung fand, und mit ſchmerz⸗