Fort mit dem Klange ſelber. Er konnte ihn nicht mehr ertragen.
Eine ſchönere, weichere, holdere Melodie war ihm nun erklungen: die ſchöne, weiche, holde Melodie Men⸗ delsſohns, welche hier zuerſt, in der regelmäßigen Uebung ſeines Berufs, ihren heilenden Zauber auf ſeine wunde Seele gelegt. Er konnte ſich noch ſehr gut jenes Mor⸗ gens erinnern, wo er gebeugt und gedrückt ſeinen Platz vor dieſem Clavier genommen. Es war ein dunkler Morgen im Herbſte geweſen, und ſein Herz war befan⸗ gen von der Schwermuth der Landſchaft und von der geheimnißvollen Pracht der halbdunklen Wölbungen vor ihm. Da nahm er die Mendelsſohn'ſche Muſik zum Sommernachtstraum, welche unter den andern Muſika⸗ lien lag. Es geſchah zufällig, daß er ſie nahm. Er wollte ſie ſpielen, um ſich zu zerſtreuen. Es war ihm einerlei, was er ſpielte. Er hatte bisher von Mendels⸗ ſohn noch Nichts geſpielt. Kaum, daß er ſeinen Namen kanſite. Er war ja noch niemals dazu gekommen, ſeine Künſt anders zu üben, als die kleinen Vöglein, welche im Frühling ſingen. Und doch lag ein großer Reich⸗ thum von Melodie in ſeiner Seele; und es bedurfte derſelbe nur des weckenden Strahles und der veredelnd bildenden Hand. So begann er an jenem Morgen, Mendelsſohn zu ſpielen— es war das Intermezzo des Sommernachtstraumes— dieſe neckiſche Weiſe, die in ihrem Grund ſo trüb und traurig iſt— wie ein warmer, feuch⸗ ter Wolkenhimmel, von Mondenſchein durchfloſſen— wie ein großes, feuchtes Auge, welches wehmüthig lächelt Mendelsſohn's Muſik lächelt immer, aber unter Thränen.


