Teil eines Werkes 
3. Buch (1863)
Entstehung
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19 vieren freie Vorträge zu halten und den dadurch ange⸗ zogenen Mufikfreunden ſeine Noten, womöglich ſein Cla⸗ vier ſelber zu verkaufen.

Ein halbes Jahr hatte Walter in dieſer ſeltſamen Einſamkeit und dieſer eigenthümlichen Beſchäftigung ver⸗ bracht. Aber die Einſamkeit that ihm wohl, und die Beſchäftigung ſammelte ſeine zerſtreuten Gedanken und führte ſeine kranke Seele zur langſamen Geneſung. Hier zum erſtenmale in ſeinem Leben hatte er Freiheit zur Einkehr in ſich ſelber; hier, in den weiten phantaſtiſch geſchmückten Räumen, wo die Tropenblumen herauf duf⸗ teten, wo das Plätſchern der Fontainen heraufklang, wo die ſtummen Götterbilder herauflächelten hier, wo in der Schwere und Stille der kurzen Herbſt⸗ und Winter⸗ tage ein Schleier der Wehmuth ausgebreitet lag über die Hügel, die Landſchaft, die Gründe, über dieſes Crh⸗ ſtalldach ſelber, und wo viel weniger Beſucher als ſonſt die grandioſe Monotonie der dumpfen, vereinzelten Klänge und der ununterbrochen webenden Dämmerung ſtörten. Da war es, wo Walter wieder über ſich zu denken be⸗ gann und in Schweigen und Entſagung ſeine Rücktehr feierte zur Muſik und ſich ſelber. Er war ihr untreu geworden, der holden Kunſt ſeines Lebens, die mehr noch Natur, als Kunſt für ihn geweſen. Er hatte den vorigen Einklang ſeiner Melodieen einem Phantom ge⸗ opfert einer neuen und zerriſſenen Melodie, die ihm ſo fremd und traurig klang, die ihn verlockte, nach ihrem Schluſſe zu ſuchen.... Nun hatte er den Schluß ge funden.... Aber fort damit! Fort mit der Erinnernng an die dunkle Nocht, in welcher er ihn gefunden

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