Teil eines Werkes 
3. Buch (1863)
Entstehung
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zuletzt erblickten, und ſie vielleicht Alles eher erwarteten,

als ihn hier zu finden, in dem berühmten Pallaſt von Sydenham, ſo werden ſie doch ſogleich in dem blauen, träumeriſchen Auge des deutſchen Clavierſpielers und ſeinem leidenden Geſicht das Auge und das Geſicht Walter Grüns wiedererkennen.

Er war an jenem Abend im October, als er Annie Laurie, gebeugt über das Kind auf ihrem Schooße in der Stube des kleinen Bierhauſes am Waſſer geſehen, innerlich ganz gebrochen zu ſeiner Wohnung zurückgekehrt. Ohne Licht, ohne Feuer ſaß er auf dem einzigen Stuhle, deſſen ſich jene Wohnung rühmte, als in der Nacht Franz Michel vom Café Chantant kam. Es war ſpät in der Nacht, und Franz Michel roch, wie gewöhnlich um dieſe Zeit, nach Grog und Taback. Franz Michel konnte nicht begreifen, wie man über Etwas, was alle Tage geſchehe, ſo betrübt ſein könne. Doch hatte er ſo viel ſein Tabacksbeutelchen hervor⸗ zubringen, ſich noch eine Cigarre zu wickeln, und ſeinen jungen Freund zu tröſten, während er ſie rauchte.Wer wird ſich über ein Frauenzimmer grämen? war ſeine alte Moral.Frauenzimmer ſind nur da, um ſich mit ihnen die freie Zeit zu vertreiben. Frauenzimmer ſind Spielſachen. Frauenzimmer lieben?.... Pah es giebt keine Liebe. Was Ihr ſo nennt, iſt eine Täu⸗ ſchung der Natur!

Dieſes war die Anſicht des biedern Franz Michel, worauf er ſeinen Cigarrenreſt mitten in die Stube warf, ſich zu Bette legte und unverzüglich einſchlief. Walter Grün aber wollte keinen Troſt annehmen, ſchlief wenig