Teil eines Werkes 
3. Buch (1863)
Entstehung
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aus welchen uns die rieſengroße Vergangenheit von Ni⸗ niveh anſtarrt. Menſchengeſichter mit unbegreiflichem Lächeln auf Leibern von ungewöhnlichen Dimenſionen Vogelköpfe auf Frauenkörpern Kampfſcenen und Sie⸗ gestänze, weiße Röcke des Friedens und ſeltſam gebogene und gewundene Inſtrumente, auf welchen zur Ehre deſ⸗ ſelben geſpielt wird... Alles fremd und coloſſal, voll greller Farbe und von einer Phantaſie, die nicht raſtet, bis ſie den Himmel erreicht hat. Die Geſchichte vom Thurmbau zu Babel ergreift, wie ein ſchauriges Mär⸗ chen der Kinderzeit, den Wanderer, wenn er dieſe bun⸗ ten Säulen ſo hoch über ſich in ſchwindelnder Höhe leuchten und ein ſinnlos verziertes Dach ſtützen ſieht. Seht! dieſe urweltlichen Leute haben doch auch das Ideal der Schönheit geſucht und ſie haben es in der ſchreien⸗ den Diſſonanz und der plumpen Unförmlichkeit gefunden. Tauſende von Generationen haben es nach ihnen geſucht, wir ſuchen es noch immer. Seid Ihr deſſen ſo ganz gewiß, daß wir es gefunden?... Wir ſuchen es... Horch! beim Schalle eines Beethoven'ſchen Shmphonie⸗ ſatzes, der ſanft, wie tröſtender Engelflug heranſchwebt, betreten wir den gothiſchen Hof und ſehen alte Könige auf ihren Särgen und Königinnen in ihren Röcken von Erz; kunſtreich verzierte Krerze, Kirchenthüren mit erha⸗ bener Arbeit, Weihwaſſerſchalen und Taufbecken von Stein. Iſt dieſes das Ziel der Kunſt und Schönheit?...

Ihr bleibt ſtehen... Ihr lächelt...

So kommt in den folgenden Hof mit ſeinen Renaiſ⸗ ſancefagaden, mit ſeinen Roccocoſtühlen, auf deren Vor⸗ bildern Ludwig der Einzige und Frau von Maintenon

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