unterſcheidet; die, wenn ſie ſich erheben, die Bewegung nachahmen wie von einer Schaar dunkler Vögel, die ſich zum Fluge anſchickt, und wenn ſie die Notenblätter um⸗ ſchlagen, ein Geräuſch machen, wie von einem Windſtoß. Und Chorgeſang, Orgelſpiel und Inſtrumentalmuſik be⸗ gleiten uns, wohin wir gehen; wir verlieren ſie nie ganz aus dem Gehör, ſei es auch nur als leiſeſtes Echo, wel⸗ ches uns unflüſtert. Wie an einem goldenen Faden hält uns die Melodie und wird unſer ungeſehener Füh⸗ rer, indem wir unſre Wandrung machen, durch dieſen Palaſt der Märchen und Wunder. Sie iſt die tönende Seele dieſes Pantheons von Crhſtall, in welchem die er⸗ habene Schönheit der alten Welt und der gedankenreiche Ernſt der neuen, die farbenglühende Pracht des Orients und die keuſche Enthaltſamkeit des Occidents, die amei⸗ ſenhafte Induſtrie der Chineſen und das reine Kunſt⸗ ideal der Hellenen zu einem Mikrokosmos zuſammenge⸗ ſtellt ſind, der die Weltgeſchichte ſpiegelt, in welchem alle Zeitalter, alle Völker, alle Zonen und alle Religionen einen Platz gefunden haben. Lieblich umgaukelt uns Muſik, wenn wir am Rande ſchlafender Seen zu ruhen meinen, auf deren lebloſer Fläche die breiten Blätter ſüdauſtraliſcher Waſſerpflanzen ſchwimmen. Wehmüthig begleitet ſie uns, wenn wir den Göttern Griechenlands vorübergehn und dem Forum von Rom und dem Coloſ⸗ ſeum; wie verlorene Liebesklage, wie Schluchzen der Nach⸗ tigall, des heimathlichen Bülbül, folgt ſie uns durch die blaurothen Gardinen in das roſige Dämmerlicht der Alhambra und zu dem Springbrunnen des Löwenhofes. Räthſelhaſt ſtirbt ſie in den unheimlichen Räumen hin,
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