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und herrlichſten Weibe, welches ihm jemals auf ſeinem Lebenswege begegnet.. dicht am Ziele ſeiner kühnſten Hoffnungen, ſeiner höchſten Wünſche... und vor ihm ſtand nur dies arme Bettelkind, mit den Augen, welche anfingen, ſich mit Thränen zu füllen, mit dem Dolche, welcher in ſeinen Händen zitterte
Der Major war aufgeſtanden und ſah dem Mädchen ſcharf in's Geſicht. Er hatte ſeine Geiſtesgegenwart wieder gewonnen, und die Trugbilder ſeiner Einbildungs⸗ kraft zerfloſſen. Eine wunderbare Veränderung ging in dem Geſicht des Mädchens vor. Eine Erinnerung, wie aus ferner, ferner Zeit, ging durch ihre Seele. Und ihr war— ſie wußte nicht warum—als ob ſie Glocken läuten hörte, die ſie lange vorher, in ihrer Kindheit vernommen, als ob ſie grüne Bäume ſähe und ein kleines trauliches Haus und eine Straße und einen offnen Platz und eine graue, alte Kirche mit bun⸗ ten Fenſtern. Und ihr war, indem ſie in das Geſicht des Mannes ſah, als ſähe ſie in eine Ferne, die ihr vertraut und heimiſch und lange bekannt ſei... und ihr war, als ob ſie das Grab ihrer Mutter ſähe, mit dem kleinen Kreuze darauf— und eine unwiderſtehliche Macht zog ſie nieder und bitterlich ſchluchzend ſank ſie zu den Füßen des Mannes hin und ihr war, als läge ſie auf dem Grabe ihrer Mutter, als ſie zu ſeinen Füßen lag..
Als ſie erwachte, ſah ſie Lady Caſtlemere, welche ſich von einer Ohnmacht mühſam erholend, in dem Seſſel von gelbem Damaſt ſaß, bleich geiſterhaft und verwirrt, und neben ihr ſtand der Major mit Eau⸗de⸗
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