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Weſen, zu tief noch trauernd um den Tod ihres Vaters, um an der Geſellſchaft Theil nehmen zu können, zog ſich dann ſchweigend auf ihr Zimmer zurück, und ließ die Beiden allein.
„Denken Sie ſich, Major, was dieſe Bettlerin ge⸗
than,“ ſagte Lady Caſtlemere an jenem Tage, an wel⸗ chem wir als unſichtbare Beſucher das Haus Ihrer Herrlichkeit mit ihm betreten haben.
Es war ein kühler ſonniger Herbſttag. Das weh⸗ müthige Abſchiedslächeln der Sonne hing an den Wän⸗ den des Gemachs. Ihr goldner Schimmer, nur matter als ehedem, ſtreifte die Göttinnen, welche auf hohen, grünumrankten Poſtamenten ſtanden, mit der kalten Schönheit und unveränderlichen Jugend, welche nur dieſen Göttinnen von Stein eigen iſt. Der Herbſt⸗ wind ſpielte mit dem dürren Laub der Ulmen vor dem Fenſter, löſte hier ein Blatt und dort eins, welches taumelnd zu Boden ſank, lautlos ſcheidend und unge⸗
hört dahin ziehend mit dem weichen Zuge der Luft. Mylady ſaß, wegen des Ablebens ihres Oheims, in hal⸗ ber Trauer, in einem lila Tuchgewande, welches bis hoch hinauf ſchloß. Ihre Erſcheinung hatte etwas Ma⸗ ieſtätiſches in dieſer knappen, dunklen Tracht, welche ſich den ſtolzen üppigen Formen ihres Leibes ebenmäßig an⸗ paßte. Wie ſie daſaß, in dem Seſſel von gelbem Da⸗ maſt, dem Major gegenüber, ſtolz, ſchön und prächtig, hätte man ſie für eine Herrſcherin halten können und den Sonnenſtrahl für ein Diadem, welches an ihrem junoniſchen Haupte funkelte.—
„Und was hat ſie gethan, Mylady?“ fragte der


