Teil eines Werkes 
2. Buch (1863)
Entstehung
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lenen Augen verließ Jemima das Zimmer. Aber ſie ging nicht auf ihre Kammer.

Vor allen Dingen, die es in der Welt gab, war ihre Kammer ihr am verhaßteſten. Dieſe Kammer, welche nur ein Fenſter auf den Hof und darüber hinaus auf große Felder und Gräben dazwiſchen hatte, war ihr zu einem Gefängniß geworden, in welchem ſie die unglücklichſten Stunden ihres Lebens einſam verbracht hatte. 6

Glaubt nicht, daß Kinder unfähig jener Gefühle ſeien, welche man mit dem Namen von Sehnſucht und Verlangen bezeichnet und für ein reiferes Alter voraus⸗ zuſetzen pflegt. Die Gegenſtände dieſer Gefühle, nicht dieſe Gefühle ſelbſt wechſeln. Sie ſind dem Menſchen angeboren und entfalten ſich mit ſeiner eignen Entwick⸗ lung. Kinder haben dieſe Gefühle, nur wiſſen ſie ihnen noch keinen beſtimmten Namen zu geben; aber vielleicht um ſo tiefer iſt der Eindruck, den ſie von ihnen em⸗ pfinden. Manches geht in einer Kinderbruſt vor, wo⸗ von wir Erwachſene keine Ahnung haben, und die in⸗ nern Schmerzen der Kinder ſind darum nicht kleiner, weil ihnen die Worte fehlen, ſich über ſie zu äußern. Hätten wir klare Erinnerungen aus unſerer eigenen Kinderzeit, wir würden uns manch' peinlichen Vorfalls entſinnen, irgend einer großen Angſt oder einer unge⸗ heuren Furcht, welche uns damals ſchreien machte, ohne daß wir recht wußten, warum. Wer von uns z. B. hätte nicht in früher Jugend einmal in einer fremden Stadt oder unbekannten Straße ſeine Mutter für einen Moment aus dem Auge verloren und ſich nun als ver⸗

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